Cost-Average-Effekt (Sparplan) und Einmalanlage im Vergleich – Was bringt mehr Rendite? (S&P 500, Teil 1)

Ein ETF-Sparplan ist eine schöne Sache, um dauerhaft am Aktienmarkt teilzunehmen. Doch ist der beworbene Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosten-Effekt) einer Einmalanlage tatsächlich überlegen? Auch ich habe mir diese Frage gestellt und eine Rückrechnung eines Sparplans auf den S&P 500-Index erstellt.

ETF-Sparplan-Rückrechnung vs. Einmalanlage für den S&P 500-Index

Zwar wurde mittlerweile in einigen Studien bereits nachgewiesen, dass der Cost-Average-Effekt – also das konstante Besparen von Aktien/ETFs – die Rendite über längere Sicht eher schmälert und eine Einmalanlage die bessere Wahl wäre. Dennoch habe ich bisher keine (mir ausreichend transparente beziehungsweise nachvollziehbare) Rückrechnung über einen längeren Zeitraum gefunden.

Daher habe ich eine eigene Tabelle erstellt. Der Startzeitpunkt ist der 1.1.1994 beziehungsweise der erste Handelstag im Januar 1994. Der betrachtete Zeitraum beträgt also etwas mehr als 26 Jahre.

Für meine erste Rückrechnung habe ich mich für den S&P 500-Index entschieden. Dieser stand Anfang Januar bei 466 Punkten. Für den Sparplan wurde dann immer der Eröffnungskurs am ersten Handelstag des nächsten Monats gewählt. Anfang Februar 1994 stand der Index dann etwa bei 480 Punkten, Anfang März 1994 bei 465 usw. Insgesamt wurden somit mehr als 310 Monate bespart.

Dabei habe ich mich bewusst für eine Einmalanlage von 500 Euro und einem monatlichen Sparplan von 50 Euro entschieden, da dies bei vielen Brokern der Mindestbetrag ist.

Also, legen wir los.

S&P 500: ETF-Sparplan vs. Einmalanlage

Hätten wir im Januar 1994 einmalig 500 Euro auf unser Konto gepackt und dann monatlich weitere 50 Euro, so wären daraus (Stand 1.2.2020, ohne Zinsen) 16.150 Euro geworden.

Hätten wir hingegen 500 Euro einmalig in einen Index-ETF auf den S&P 500 investiert und dann wiederum monatlich 50 Euro, so wären daraus bis heute (ohne Kosten, Wechselkurs-Effekte ect.) etwas mehr als 48.000 Euro geworden. Da fehlt aber noch etwas. Denn beim S&P 500 werden ausgeschüttete Dividenden nicht in die Index-Performance einberechnet (anders als bei den deutschen Indizes).

Hätten wir einen ausschüttenden ETF auf den S&P 500 gewählt, so wären auf unsere 48.000 Euro nochmals rund 8.500 Euro aus Dividenden-Zahlungen drauf gekommen. Macht also etwa 56.600 Euro.

Jetzt gibt es aber auch thesaurierende ETFs auf den S&P 500. Also ETFs, die die Dividenden sofort wieder anlegen. Auch diese Kalkulation habe ich in meiner Tabelle vorgenommen. Ein thesaurierender ETF wäre nun etwa 69.700 Euro schwer.

Als Diagramm sieht das dann so aus:

S&P 500: Geld auf Konto vs. Sparplan (ohne Dividenden) vs. Sparplan (thesaurierend)
S&P 500: Geld auf Konto vs. Sparplan (ohne Dividenden) vs. Sparplan (thesaurierend)
S&P 500: Geld auf Konto vs. Sparplan (inkl. Dividenden) vs. Sparplan (thesaurierend)
S&P 500: Geld auf Konto vs. Sparplan (inkl. Dividenden) vs. Sparplan (thesaurierend)

Über 26 Jahre hätte man mit einem ausschüttenden ETF eine Rendite von 4,9% pro Jahr. Ein thesaurierender ETF hätte 5,8% jährlich gebracht.

S&P 500: Einmalanlage vor 26 Jahren

Und nun folgender Gedanke: Was wäre, wenn wir die 16.150 Euro sofort einmalig im Januar 1994 in den S&P 500 gesteckt und dann 26 Jahre nicht mehr angeschaut hätten?

Nur der Index hätte jetzt einen Wert von etwa 113.000 Euro. Inklusive ausgeschütteter Dividenden von Höhe von 27.000 Euro hätten wir rund 140.000 Euro.

Ein thesaurierender ETF läge auch hier deutlich vorne. Aus 16.500 Euro wären nun rund 196.000 Euro geworden.

Wertentwicklung von 16.150 Euro, vor 26 Jahren einmalig in den S&P 500 investiert
Wertentwicklung von 16.150 Euro, vor 26 Jahren einmalig in den S&P 500 investiert
 Wertentwicklung von 16.150 Euro, vor 26 Jahren einmalig in den S&P 500 investiert
Wertentwicklung von 16.150 Euro, vor 26 Jahren einmalig in den S&P 500 investiert

Ein ausschüttender ETF hätte über 26 Jahre bei der Einmalanlage rund 8,7% jährlich (773% gesamt) gebracht. Der thesaurierende ETF sogar 10,1% p.a. (1.120% gesamt).

Fazit: Einmalanlage ist dem Sparplan überlegen

Insgesamt kann gesagt werden, dass eine Einmalanlage dem Sparplan-Konzept – auf lange Sicht – meilenweit überlegen ist. Damit bestätigt sich auch das Sprichwort: „Time in the market beats timing the market„.

Dennoch hat auch der ETF-Sparplan seine Berechtigung. Denn: Nicht für jeden ist es möglich, 16.000 Euro und mehr sicher für die nächsten 26 Jahre zu entbehren. Da fällt ein kleiner Betrag zu Anfang und dann viele kleine leichter. Zudem gibt es noch die psychologische Seite. Es dürfte einigen schwer fallen, eine große Summe zu investieren und dann zu sehen, wie der Markt in eine Rezession fällt. Und die 16.000 Euro eventuell nur noch 8.000 Euro wert sind.

Für den Großteil dürfte daher auch eine Kombination von ETF-Sparplan und größeren Nachkäufen bei einer Marktschwäche eine gute Lösung sein.

Das könnte etwa so aussehen:

Zuerst wird ein ETF regelmäßig monatlich bespart. Gleichzeitig legt man auch noch etwas Geld auf das Konto zurück. Bricht der Index dann um 20 Prozent und mehr ein, kann mit dem zurückgelegten Geld nachgekauft werden. Auch so kommt über einen langen Zeitraum eine beachtliche Summe zusammen. Selbst dann, wenn man den Markteintritt nicht perfekt trifft (s. dazu auch das Sprichwort weiter oben).

Gerne könnt ihr mit meiner Tabelle eigene Berechnungen vornehmen. Dazu müsst ihr nur die Werte in der Spalte Anlage/Sparrate verändern. Der Rest wird automatisch berechnet.

Im nächsten Beitrag zeige ich euch dann, was eine Investition in den MDAX von 1997 bis heute eingebracht hätte. Und ob sich auch hier die Einmalanlage als Sieger herausstellen kann.

Hinweis: Die Google-Tabelle ist in der Regel aktueller als die Excel-Tabelle.

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