Simple Strategien: Aktien kaufen und verkaufen mit gleitenden Durchschnitten (Moving Average)

Zu welchem Zeitpunkt man Aktien kaufen oder verkaufen möchte, sollte jeder in seiner Strategie festgehalten haben. Das ist jedoch noch immer bei wenigen Anlegern der Fall. Eine relativ simple, aber erprobte Strategie ist die Verwendung von gleitenden Durchschnitten.

Aktien kaufen: Einstieg finden mit gleitenden Durchschnitten

Wahrscheinlich haben schon einige Anleger von den gleitenden Durchschnitten gehört. Der bekannteste gleitende Durchschnitt – im Englischen auch (Simple) Moving Average – ist wohl der 200-Tage-Durchschnitt. Daneben werden häufig auch noch die 20-, 50- und 100-Tage-Linie verwendet.

Durchbricht der Aktienkurs eine Linie von oben nach unten, gilt dies als Verkaufs-Signal. Steigt der Aktienkurs hingegen über eine der Linien, so wird ein Kauf-Signal aktiviert. Im Grunde ist es so einfach, und einige Handelssysteme sind unter anderem auf diesen Grundsatz ausgerichtet.

Es gibt zwar auch noch besondere Signale der Moving Averages, etwa das „Death Cross“ – und auch andere Typen gleitender Durchschnitte. Linear gewichtet oder exponentiell geglättet heißen diese dann zum Beispiel. Doch so weit müssen wir nicht gehen, und solche speziellen Typen sind auch eher für Trader interessant.

Simple Moving Averages (SMA) im Aufwärtstrend nutzen

Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass ich solche simplen Strategien hauptsächlich nutze, da ich weiß, dass sie bei vielen Tradern und Anlegern Beachtung finden. Ich selbst lege deutlich mehr wert auf die fundamentale Situation eines Unternehmens. Dennoch sind die gleitenden Durchschnitte eine hilfreiche Stütze, um Trendbestätigungen oder -umkehrungen zu erkennen.

Dazu verwende ich die Webseite von tradingview.com. Die kostenfreie Version ist für unsere Zwecke mehr als ausreichend. Allerdings ist vorher eine Registrierung erforderlich.

Auf Tradingview suchen wir anschließend nach einem Unternehmen, das uns interessiert. Zum Beispiel Apple (AAPL). Rechts über dem kleinen Chart rufen wir dann den „Full-Featured Chart“ auf.

Die Standard-Einstellungen müssen wir nun noch ein wenig anpassen. Oben links in der Werkzeug-Leiste sehen wir ein „D“. Sobald wir darauf klicken, öffnet sich ein Menü. Dieses stellen wir dann auf „1 Woche“. Rechts daneben stellen wir von „Fläche“ auf „Kerzen“ um.

Nun können wir die „Simple Moving Averages“ einfügen. Dazu gehen wir oben in der Leiste auf „Indikatoren (Fx)“ und dann links auf „Öffentliche Bibliothek“. Hier suchen wir dann nach „Moving Averages“. Ich nehme dann meistens das Skript von „Cinematography“, da dieses die gleitenden Durchschnitte 50, 100 und 200 anzeigt.

Der Chart sollte dann ungefähr so aussehen:

Chart von Apple auf Wochen-Basis und gleitenden Durchschnitten

Trendbestätigung mit Simple Moving Average (SMA)

Wir sehen, dass der 200-Tage-Durchschnitt, langfristig betrachtet, ein guter Anhaltspunkt war. Auch ein Durchstoßen der 100-Tage-Linie von unten nach oben lieferte gute Signale.

Haben wir ein solches Unternehmen wie Apple, bei dem die fundamentale Situation stimmt, und trifft der Aktienkurs dann auf die 200-Tage-Linie und prallt von dort ab, dann ist das für mich ein starkes Signal zu kaufen. Der gültige Trend wurde bestätigt. So ist mein bisher letzter Zukauf von Apple im Februar 2019 zustande gekommen.

Man sieht allerdings derzeit auch den starken Kursanstieg und die wachsende Entfernung von den gleitenden Durchschnitten. In einer solchen Situation halte ich meine Aktienbestände und warte auf eine Chance zum Nachkauf – sollte sich nicht fundamental bis dahin gravierend etwas geändert haben.

Hier noch ein paar weitere Aktien in meinem Depot, bei denen die Moving Averages bisher ein guter Anhaltspunkt waren.

Chart von Adobe auf Wochen-Basis und gleitenden Durchschnitten
Chart von Amazon auf Wochen-Basis und gleitenden Durchschnitten
Chart von Exponent auf Wochen-Basis und gleitenden Durchschnitten

Turnaround finden mit gleitenden Durchschnitten

Ein „klassisches“ Turnaround-Investment derzeit ist bei mir die Aktie von CVS Health. Neben der Umstellung des Geschäfts und den Erfolgen bei der fundamentalen Entwicklung drehen derzeit auch die technischen Indikatoren in den positiven Bereich. Die Aktie von CVS Health kann zudem als gutes Beispiel dienen, wann man aus einer Aktie aussteigen kann. Entweder um Gewinne einzustreichen oder das Risiko zu begrenzen.

Im Chart sehen wir um den Oktober/November 2015 herum den Bruch der bis dahin Trend-angebenden 50-Tage-Linie. Der Kurs fängt sich anschließend bei der 100-Tage-Linie, steigt wieder über die 50-Tage-Linie und durchbricht anschließend beide Durchschnitte. Danach prallt der Kurs von unten an der 100-Tage-Linie ab und fällt in einen Abwärtstrend.

Chart von CVS Health auf Wochen-Basis und gleitenden Durchschnitten

Zur Risiko-Begrenzung hätte man dann im August/September 2016 die Aktie verkaufen können. Auch fundamental war die Lage damals bei CVS Health sehr angespannt.

Erst im August/September 2018 stieg der Kurs wieder über die 100-Tage-Linie. Im Dezember wurden jedoch sowohl die 50- als auch die 100-Tage-Linie erneut gebrochen.

Wirklich interessant wird es bei der Aktie aber erst jetzt, also fast 4 Jahre nach unserem theoretischen Verkauf. Eventuell sind wir in diesen 4 Jahren zweimal wieder eingestiegen, nachdem der 100-Tage-Durchschnitt zurückerobert wurde. Die wirklich großen Kursverluste von 116 USD auf rund 52 USD sind uns jedoch erspart geblieben.

Chart von CVS Health auf Wochen-Basis und gleitenden Durchschnitten

Derzeit bewegt sich der Aktienkurs von CVS Health gleichzeitig über der 50- und der 100-Tage-Linie. Gleichzeitig drehen die Durchschnitte nach oben. Der Aktienkurs könnte jetzt – technisch betrachtet – weiter anziehen oder zumindest in eine Seitwärtsphase eintreten. Da zudem aber auch das operative Geschäft wieder deutlich besser läuft, stehen die Chancen gut, dass wir hier einen Turnaround sehen werden. So zumindest meine Einschätzung.

Wie gleitende Durchschnitte vor Verlusten schützen können

Man kann diese Methode auch auf andere, derzeit beliebte Turnaround-Kandidaten anwenden. Nehmen wir zum Beispiel TUI.

Chart von TUI auf Wochen-Basis und gleitenden Durchschnitten

Im Oktober wurden alle gleitenden Durchschnitte durchbrochen. Auf der sicheren Seite war man eher, wenn die 200-Tage-Linie zurückerobert wurde.

Deutsche Bank. Riss der 200-Tage-Linie im Wochen-Chart im Januar 2008. Erst zwischen 2013 und 2014 gab es Hinweise auf mögliche Ausbrüche nach oben. Da war der Kurs aber vom Durchschreiten der 200-Tage-Linie 2008 auch schon rund 50 Prozent gefallen. Diese Versuche scheiterten allerdings und der Abwärtstrend setzt sich bis heute fort.

Chart der Deutsche Bank auf Wochen-Basis und gleitenden Durchschnitten

Derzeit kritisch steht auch Wirecard da. Hier wurde im März die bisher Trend-angebende 200-Tage-Linie durchbrochen.

Chart von Wirecard auf Wochen-Basis und gleitenden Durchschnitten

Hier steht jedoch die fundamental gute Entwicklung gegen die gleitenden Durchschnitte. Daher bin ich zuversichtlich gestimmt, dass dies eher ein Fehlausbruch nach unten ist. Dennoch würde es mich freuen, wenn meine Annahme mit einem Anstieg über die 200-Tage-Linie bestätigt wird.

Fazit

Mit den gleitenden Durchschnitten lassen sich trendstarke Aktien schnell identifizieren. Aktien wie die von Amazon, Apple oder Adobe zeigen dies weiterhin eindrucksvoll.

Zudem können die Moving Averages eine gute Hilfe sein, um Ein- oder Ausstiegspunkte zu finden. Bei Aktien der Deutsche Bank oder TUI wären einem so große Verluste erspart geblieben.

Es gibt noch viele weitere technische Werkzeuge, etwa den MACD oder Stochastik, die relativ simpel anzuwenden sind, aber wichtige Signale liefern können.

Ich wende diese Methoden jedoch immer zusammen mit meinen fundamentalen Analysen und grundlegenden Gedanken an. Und gewichte meine fundamentalen Analysen und Gedanken deutlich höher als die technischen Indikatoren. Mir hat diese Kombination bisher gute Dienste erwiesen. Und ich hoffe, dass auch du von diesen Werkzeugen und Methoden profitieren kannst.

Schreibe einen Kommentar