Wie gut sind das BCDI-Zertifikat, BCDI USA und der boerse.de Aktienfonds?

Ein Leser fragt mich, was ich vom BCDI-Zertifikat (Boerse.de-Champions-Defensiv-Index), dem BCDI USA und dem boerse.de-Aktienfonds halte. Auch ich kenne die Zertifikate und Fonds von boerse.de und greife die Frage daher dankend auf. Denn sie eignen sich geradezu als Paradebeispiel dafür, wie eine hohe Performance erschlichen wird, die so jedoch gar nicht existiert. Und wie Anleger in schlechte Finanzprodukte getrieben werden. Und weshalb ETFs – wieder einmal – die bessere Alternative sind.

Die Versprechungen des Thomas Müller zum BCDI-Zertifikat

Gerne wirbt Thomas Müller, Vorstand von boerse.de, auf Webseiten in Werbe-Mails und Interviews mit der einzigartigen Strategie und der herausragenden Performance des BCDI-Zertifikates und des boerse.de-Aktienfonds. Seit Ende 2018 und Ende 2019 sind mit dem boerse.de-Weltfonds und dem BCDI USA-Zertifikat noch zwei weitere Produkte dazugekommen. Jeweils vorgestellt auf dem jährlich stattfindenden „Rosenheimer Börsentag“.

Zuerst widme ich mich dem Klassiker, dem BCDI-Zertifikat, in dem über 100 Mio. Euro angelegt sind. Angeblich gefüllt mit zehn „Aktien zum Vererben“. Besuche ich die entsprechende Webseite vom BCDI, erscheint gleich oben ein Banner mit einem Feuerwerk und einem gelben Sticker mit der Aufschrift „70,1% in 66 Monaten“.

Natürlich interessiert es mich auch, welche Aktien denn so eine gute Performance abliefern.

Die zehn Top-Aktien des BCDI

Von den ursprünglichen zehn Aktien aus dem Emissionsjahr des Fonds (2014) sind nur noch zwei vorhanden. Von einem langfristigen Buy&Hold-Ansatz beziehungsweise den zehn Aktien zum Vererben kann also kaum die Rede sein.

Die unerreichbare Performance

Aber nun gut, wie die 70 Prozent letztendlich entstanden sind, interessiert vermutlich die wenigstens Anleger rückblickend betrachtet. Die Leute vom BCDI müssen es halt drauf haben, denkt man sich. Also gleich mal die entsprechende ISIN vom BCDI-Zertifikat bei OnVista eingegeben.

Performance des BCDI-Zertifikats seit Auflagedatum

Huch. Das sind aber nur rund 61 Prozent. 10 Prozent weniger als versprochen. Zeigt uns OnVista etwa einen falschen Chart an? Nein. Der Grund: Natürlich möchte das Team von boerse.de auch (viel) Geld verdienen. Die 70 Prozent Performance hat nur die zugrunde liegende Benchmark (der BCDI-Index) geschafft. Das BCDI-Zertifikat bildet diesen Index nach. Es konnte für einen Anleger also gar nicht möglich sein, nach Kosten die 70 Prozent Gewinn zu erzielen. Bei OnVista lässt sich der BCDI-Index einfach einblenden.

Das Zertifikat läuft der Benchmark hinterher

Hier sieht man schön, wie sehr die Kosten eines Fonds/Zertifikats auf die Rendite drücken. Und wie boerse.de trickst und die realistischen Zahlen nirgendwo erwähnt. Wie sie auf die 56,4 Prozent Gewinn in 5 Jahren kommen, von denen ebenfalls die Rede ist, bleibt mir völlig schleierhaft. Hier komme ich auf maximal rund 42 Prozent – die aber auch nur die Benchmark geschafft hat.

Die Performance des boerse.de-Aktienfonds

Ebenfalls nett ist die Aufmachung des boerse.de-Aktienfonds, der seit November 2016 existiert. Zwei Personen relaxen bei bestem Wetter am türkisblauen Meer. Wer möchte das nicht gerne. Bei über 95 Mio. Euro Anlagevolumen scheinen zumindest einige Sparer diesen Traum zu haben.

Im Flyer finden wir wieder einen Hinweis auf eine gute Performance. Dieses mal wird mit 26,7% Gewinn in 12 Monaten (31.12.18-31.21.19) geworben. Auch das klingt toll. Zumal in dem Fonds auch schöne Aktien wie Apple, Mastercard und Visa zu finden sind. Dann kann der Chart seit dem Auflagedatum doch nur steil nach oben verlaufen. Ich spüre quasi schon den Sand unter den Füßen.

Chart boerse.de-Aktienfonds

Lädt der Chart etwa nicht richtig? Nochmal die Seite aktualisieren. Doch. 22 Prozent in etwas mehr als 3 Jahren. Etwa 6,8% p.a. – dazu kommen dann noch Dividenden von etwa 1,5%. Die reißen es jetzt aber auch nicht mehr wirklich raus. Es ist daher sehr unwahrscheinlich, dass die beiden Personen am Strand dort sitzen – oder zumindest bald dort sitzen werden -, weil sie in den boerse.de-Aktienfonds investiert haben.

Der BCDI-USA

Das neueste Zertifikat ist der BCDI-USA. Hier sind die, laut boerse.de, „zehn Top-Champions aus den USA“ vereint.

Die zehn Top-Champions des BCDI-USA

Das sieht erst einmal einigermaßen gut aus. Mit drei Werten (Amazon, Disney, Nike) kann ich mich gut anfreunden. „Leider“ existiert das Zertifikat noch nicht lange, sodass ein Chartvergleich derzeit noch nicht möglich ist. boerse.de hat jedoch eine Rückrechnung vorgenommen.

Rückrechnung BCDI-USA laut boerse.de

Ob boerse.de jedoch auch schon im Jahr 2000 auf Amazon und Co. gesetzt und diese Werte auch gehalten hätte, bleibt zumindest fraglich. Ebenfalls ist nicht ersichtlich, wie die Rückrechnung vorgenommen wurde. Wir müssen uns mit diesem – wenig aussagekräftigen – Chart zufrieden geben. Immerhin können wir dann in einem Jahr überprüfen, wie sich das Zertifikat unter realen Bedingungen entwickelt hat.

Der Vergleich: BCDI-Zertifikate vs. ETFs

Auf diesen Teil freue ich mich immer besonders. Können die Fonds/Zertifikate tatsächlich die Märkte schlagen, was in den Werbeprospekten und bei Veranstaltungen immer unterschwellig suggeriert wird? Und wie schneidet meine ETF-Kombination aus MSCI World, S&P 500, MDAX, TecDax und/oder Nasdaq im Vergleich ab? Haben wir – nach mittlerweile jahrelangen Recherchen – endlich einen Fondsmanager gefunden, der besser ist?

Schauen wir uns den ersten Vergleich an: BCDI-Zertifikat vs. ETF-Auswahl.

Vergleich BCDI vs. ETF-Auswahl

Scheinbar ist der Boerse.de-Champions-Defensiv-Index doch jedem ETF auf Sicht von 5 Jahren absolut unterlegen. Wer sein Geld einfach in den iShares MSCI World gepackt hat, der sitzt jetzt auf doppelt so viel Gewinn.

Eventuell schlägt sich ja der boerse.de-Aktienfonds besser.

boerse.de-Aktienfonds vs. ETF-Auswahl

Auch hier würde ich, wenn ich mein Geld im boerse.de-Aktienfonds hätte, etwas traurig gucken. Die Profis um Thomas Müller scheinen es auch hier nicht zu schaffen, auch nur annähernd einen der namhaften Indizes zu schlagen. Da der boerse.de-Aktienfonds ausschüttend ist, habe ich hier im Vergleich natürlich den S&P 500 sowie Nasdaq als ausschüttenden ETF gewählt. Aber selbst großzügig abgezogene 10% vom MDAX und MSCI World reichen nicht, damit der boerse.de-Fond aufholen kann.

Fazit

Diejenigen, die an den BCDI-Zertifikaten und boerse.de-Fonds am meisten Geld verdienen, sind Thomas Müller und Co. Bei einem Fondsvolumen von 100 Mio. Euro und Kosten von mindestens 1,5% p.a. – zzgl. „erfolgsbezogener Kosten“ von mindestens 10% bei manchen Produkten – macht das Einnahmen von mindestens 1,5 Mio. Euro pro Jahr. Und das Volumen aller Zertifikate/Fonds von boerse.de hat schon längst die 200 Mio. Euro-Marke übersprungen. Schade auch, dass boerse.de anstatt undurchsichtiger Rückrechnungen oder unvollständiger Vergleiche nicht einfach eine Grafik aus dem Basisinformationsblatt des BCDI entnimmt. Ich meine diese Blätter, in denen ganz oben der Satz steht „Sie sind im Begriff, ein Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann“.

Hier die Grafik. Dort ist ersichtlich, wie sich ein Produkt vermutlich entwickeln wird.

Performance-Szenario des BCDI lt. Basisinformationsblatt

Alle bisherigen BCDI-Anleger können sich demnach sogar glücklich schätzen. Wer jetzt noch richtig Lust hat, etwas mehr zu verstehen, weshalb mir die Tricksereien von Thomas Müller missfallen, darf die Webseite vom „Rosenheimer-Börsentag“ ansteuern und sich auf der rechten Seite die Videos anschauen. Diese jährliche Veranstaltung ist nicht zur Information und Aufklärung für Anleger gedacht und auch nicht dafür, ihnen bessere Alternativen zu den üblichen Finanzprodukten zu bieten. Es geht einzig und allein darum, potentielle Anleger zu gewinnen beziehungsweise bisherigen Anlegern die „tolle“ Performance zu präsentieren – und ihnen das nächste Zertifikat zu verkaufen. Damit Thomas Müller Geld verdient. Dieser Sache sollte man sich klar sein.

Leider gibt es noch mehr Akteure, die die Gutgläubigkeit vieler Menschen für sich nutzen und es ihnen dadurch erschweren, ihr Geld wirklich sinnvoll anzulegen. Gerne könnt ihr mir Beispiele schreiben, die euch negativ aufgefallen sind.

Den zweiten Teil der Amazon-Analyse habe ich natürlich nicht vergessen. Da jedoch bald die finalen Zahlen präsentiert werden, werde ich mir noch bis dahin Zeit lassen.

Schreibe einen Kommentar