Wie man wunderbare Unternehmen findet (Teil 2): Rule# 1

Im zweiten Teil, wie man wunderbare Unternehmen findet, möchte ich auf die „Rule #1“ von Phil Town eingehen. Die Regel ist simpel: „Never lose money“ – Verliere niemals Geld.

Angelehnt ist das Buch an Warren Buffets zwei Regeln fürs Investieren:

  1. Never lose Money
  2. Don’t forget Rule No. 1

Phil Town’s Strategie ist daher das Value Investing. Er sucht mithilfe der Fundamentalanalyse nach Unternehmen, die er für unterbewertet hält. Dafür wendet er eine relativ einfache Methode an und kauft die Aktien der Unternehmen mit einem „Sicherheitspolster„. Selbst in einem ungünstigen Szenario ist ein Verlust von Geld somit sehr unwahrscheinlich.

Im ersten Teil ging es um 4 Punkte, die man bei der Suche nach wunderbaren Unternehmen beachten sollte. Hier habe ich bereits kurz angeschnitten, worauf Phil Town bei der Auswahl von Aktien achtet. Diesmal möchte ich ausführlicher auf die Methoden eingehen, die er in seinem Buch „Regel Nummer 1“ beschreibt. Vorsicht: Der Artikel ist doch etwas länger geworden 😉

Die vier Ms

Um wunderbare Aktien zu finden sucht Phil Town nach Unternehmen, die die „vier Ms“ erfüllen:

  1. Meaning (Bedeutung für dich)
  2. Moat (Burggraben)
  3. Management
  4. Margin of Safety (MOS) (Sicherheitspolster)

Meaning

Die erste Frage, die man sich stellen sollte: „Welche Bedeutung hat das Unternehmen für mich?“. Daran anknüpfend folgen dann die Fragen „Möchte ich das ganze Unternehmen besitzen?“ und „Verstehe ich das Unternehmen soweit, dass ich es ganz besitzen könnte?“. Und wenn man sozusagen das ganze Unternehmen besitzen möchte, dann sollte man stolz auf seinen Besitz sein.

Es ist jedoch nicht nötig, das Unternehmen bis ins kleinste Detail zu analysieren. Treibst du zum Beispiel gerne Sport und trägst dabei am Liebsten die Kleidung von Adidas? Was empfindest du, wenn du darüber nachdenkst, dass du das ganze Unternehmen besitzen könntest? Du findest das spitze? Super, du hast den ersten Schritt gemeistert. Und überlege: Wenn du das Unternehmen keine 10 Jahre haben möchtest, dann solltest du es auch nicht einmal für 10 Minuten besitzen.

Moat (Burggraben)

Sinnbildlich ist der Moat ein Burggraben, der ein Unternehmen umgibt und es vor Angreifern/Konkurrenten schützt. Phil Town unterscheidet fünf Burggräben. Je mehr ein Unternehmen besitzt, desto besser.

1. Eine starke Marke

Ein Unternehmen, deren Produkten man vertraut – und man daher mehr zu zahlen bereit ist. Phil Town nennt hier zum Beispiel Coca-Cola, Disney und Nike.

2. Betriebsgeheimnis

Patente oder Geschäftsgeheimnisse, die es der Konkurrenz schwierig machen. Dies sind zum Beispiel Intel, 3M oder Pfizer.

3. Gebühr

Das Unternehmen besitzt ein gewisses Monopol und kann daher eine „Gebühr“ kassieren. Etwa Versorgungsunternehmen oder Mediengesellschaften.

4. Umstieg

Das Unternehmen ist so fest im Alltag der Menschen oder in anderen Unternehmen integriert, dass ein Umstieg sehr aufwendig wäre oder sich nicht lohnt. Beispiele hierfür sind etwa Microsoft oder Paychex.

5. Preis

Das Unternehmen kann seine Produkte konkurrenzlos billig anbieten. Phil Town nennt hier Wal-Mart oder Costco.

Management

Die meisten Punkte, was einen guten Manager ausmacht, habe ich schon im ersten Abschnitt des vorherigen Artikels beschrieben.

Phil Town führt dies in seinem Buch noch etwas weiter aus und rät Aktionären oder potentiellen Anlegern, die Aussagen des Managements mit den nackten Zahlen zu vergleichen. Oft werden Probleme verschwiegen. Dabei sollten Fehler viel eher benannt werden und der Manager erklären, wie er diese beheben möchte.

Zudem sollte darauf geachtet werden, dass Fehlentscheidungen auch den CEO (monetär) treffen. Im Buch findet man dazu einige spannende Beispiele, wie selbst bei großen Fehlern der Manager mit einem dicken Scheck nach Hause geht.

Etwa bei der Supermarkt-Kette Albertsons. Obwohl Umsatz und Gewinn pro Aktie stagnieren, erwähnt der CEO in seinem Aktionärsbrief nur die „solide Geschäftsperformance“ und eine „gesteigerte Kundenfreundlichkeit“. Während die Aktionäre auf 40 Prozent Kursverlust sitzen, erhielt der Manager 76 Millionen Dollar Gehalt.

Oder Bristol-Myers Squibb. Von 2001 bis 2004 ist der Wert um mehr als 50 Prozent gesunken. Unter anderem, weil ein Vertrag für ein Medikament über 2 Milliarden Dollar abgeschlossen wurde – die FDA jedoch die Zulassung wenig später untersagte. Inklusive Bonuszahlung für diesen „erfolgreichen“ Deal erhielt der CEO rund 41 Millionen Dollar. Auch hier wurde in den Briefen an die Aktionäre die „solide finanzielle Performance“ gelobt.

Margin of Safety (MOS)

Ein wunderbares Unternehmen möchte man auch zu einem wunderbaren Preis kaufen. Es bringt finanziell zum Beispiel nichts, wenn man sich einen Ferrari für 200.000 Euro kauft, die unverbindliche Preisempfehlung aber nur 100.000 Euro beträgt. Wirklich lohnen würde es sich, wenn plötzlich das Auto für nur noch 50.000 Euro angeboten wird, obwohl es noch immer eigentlich 100.000 Euro wert ist.

Was für das Auto-Beispiel durchaus unrealistisch ist, ist es für Aktien nicht. Anleger werfen Ihre Aktien manchmal panisch auf den Markt – zu welchem Preis auch immer. Dann kann man diese Aktien sozusagen zum Schnäppchenpreis ergattern. Phil Town kauft Aktien nur, wenn sie 30 – 50 Prozent unter ihrer unverbindlichen Preisempfehlung zu haben sind. Dazu muss man jedoch wissen, wie man die Preisempfehlung für eine Aktie berechnen kann.

Starke Unternehmen haben starke Bilanzen – „Die großen Fünf“

Wie oben bereits angedeutet sollten sich die Aussagen des Managements zu einer „soliden Geschäftsentwicklung“ und die Vorteile eines Burggrabens auch in den Zahlen widerspiegeln. Dazu betrachtet Phil Town fünf Werte:

  • Kapitalrendite (ROIC, ROC – Return on Investment Capital)
  • Umsatzwachstum
  • Gewinnwachstum pro Aktie
  • Wachstum des Eigenkapitals/Buchwerts pro Aktie
  • Wachstum des freien Cashflows (FCF – Free Cashflow)

Alle Werten sollten in den letzten zehn Jahren um mindestens zehn Prozent pro Jahr zugelegt haben. Zudem ist der wichtigste Wert für ihn der ROIC. Egal, wie gut die anderen Werte sind: Liegt der ROIC unter 10 Prozent, fällt die Aktie aus dem Raster. In einer Excel-Tabelle könnte das etwa so aussehen.

Wachstumsraten von ROIC, Eigenkapital, Gewinn, Umsatz und FCF
Wachstumsraten von ROIC, Eigenkapital, Gewinn, Umsatz und FCF

Die Daten gehen hier nicht zehn Jahre, sondern 7 Jahre zurück. Über die letzten 5 Jahre betrug das ROIC zum Beispiel 11,35 Prozent und im letzten Jahr 12,34 Prozent. Das durchschnittliche Wachstum des Eigenkapitals betrug im Schnitt der letzten 7 Jahre 24,5 Prozent, während es im letzten Jahr bei 17,6 Prozent lag. Darunter (21e) befindet sich die Erwartung der Analysten zur durchschnittlichen Entwicklung bis 2021. Ich habe meine Tabelle auch noch im das Wachstum des Bargeldes/Schulden sowie die Steigerung der Dividenden erweitert (nicht im Bild enthalten).

Künftigen Aktienkurs berechnen

Um den künftigen Aktienkurs zu berechen, zieht Phil Town 4 beziehungsweise 5 Werte heran:

  • den aktuellen Gewinn pro Aktien (EPS)
  • geschätztes EPS-Wachstum (laut Analysten)…
  • … oder historisches Wachstum des Eigenkapitals
  • geschätztes zukünftiges KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)
  • minimale akzeptable Ertragsrate (15 Prozent pro Jahr)

Kennt man sowohl den Gewinn pro Aktie als auch das KGV in zehn Jahren, so kann der zukünftigen Kurs errechnet werden. Erwirtschaftet ein Unternehmen in zehn Jahren ein EPS von 10 Dollar und hat ein zukünftiges KGV von 20, so ist eine Aktie 200 Dollar wert.

Um das KGV zu bestimmen, nimmt Phil Town entweder das doppelte geschätzte EPS-Wachstum (Analysten) oder das Doppelte des historischen Wachstums des Eigenkapitals (Buchwert). Je nachdem, welcher Wert niedriger ist. Beträgt das geschätzte EPS-Wachstum zum Beispiel 24 Prozent, ergäbe dies ein KGV von 48. Wächst der Buchwert pro Aktie um 20 Prozent, läge das KGV bei 40. Da 40 niedriger ist als 48, würde dieses KGV gesetzt werden. Liegt jedoch das historische KGV nur bei 30, dann würde dieses KGV für die Berechnung herangezogen werden.

Regel 1 KGV berechnen
Regel-1-KGV berechnen

Haben wir das zukünftige KGV herausgefunden und kennen das (vermutliche) EPS-Wachstum sowie den aktuellen Gewinn pro Aktie, können wir den Gewinn pro Aktie in der Zukunft errechnen.

Beträgt das aktuelle EPS zum Beispiel 0,89 Cent und das EPS wächst vermutlich mit 24 Prozent, sind wir nach einem Jahr bei einem EPS von 1,10 Euro. Diese 1,10 Euro steigern sich wieder um 24 Prozent, wonach wir nach zwei Jahren bei 1,37 Dollar sind. Nach zehn Jahren ergibt sich daraus ein Gewinn pro Aktie von 7,65 Euro. Liegt unser gesetztes KGV bei 46, ergibt sich daraus (7,65*46) ein errechneter Aktienkurs von rund 352 Euro.

Zukünftigen Aktienkurs berechnen
Zukünftigen Aktienkurs berechnen

Empfehlungspreis berechnen

Um den Empfehlungspreis zu berechnen bringt Phil Town die 72er-Regel ins Spiel. Laut dieser verdoppelt sich das Geld bei 15 Prozent Rendite (die minimal akzeptable Rendite) alle fünf Jahre (72/15 = 5). In zehn Jahren verdoppelt sich das Geld somit zweimal. Der nächste Rechenschritt ist daher einfach und immer gleich: Um den Empfehlungspreis zu erhalten, teilt man einfach den errechnet Aktienkurs in 10 Jahren durch 4. Bei einem errechneten Kurs von 350 Euro/4 erhält man so einen Empfehlungspreis von 87,5 Euro. Dieses Ergebnis kannst du anschließend mit einem „CAGR-Rechner“ überprüfen.

Die 87,5 Euro teilt man jetzt noch durch zwei. Dann erhälst du den Sicherheitspreis beziehungsweise die „Margin of Safety“. Erst jetzt muss man sich den Kurs ansehen, zu dem die Aktie derzeit gehandelt wird. Liegt der Preis bei rund 44 Euro scheint der Markt derzeit irrational zu sein. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, das Sonderangebot abzugreifen.

Sicherheitspolster (MOS) berechnen
Sicherheitspolster (MOS) berechnen

Inklusive Sicherheitspolster würde die jährliche Rendite im Beispiel auf 23 Prozent anwachsen. Laut Phil Town ist es auch möglich, ein Unternehmen mit einer MOS von 30 Prozent zu kaufen, wenn man das Unternehmen bereits besessen hat, das Geschäftsmodell komplett versteht und sich mit dem Investment sehr wohl fühlt.

Fazit

Phil Town bringt Anlegern mit seiner „Regel Nummer 1″* eine relativ einfache Methode bei, um die Geschäftsentwicklung von Unternehmen durchleuchten zu können. Und mithilfe einer Excel-Tabelle und den Daten, die uns sogar kostenlos bei Yahoo Finanzen, MSN oder Marketscreener.com bereitgestellt werden, kann der Aktienkurs in die Zukunft projiziert werden.

Ein Nachteil besteht jedoch darin, dass einige High-Growth Werte wie The Trade Desk (TTD), Zscaler (ZS) oder lange Zeit auch Amazon gar keinen Gewinn haben/hatten und somit auch kein aussagekräftiges KGV aufweisen. Diese würden durch das Regel-1-Raster fallen und somit teilweise hohe Chancen verloren gehen. Phil Town sammelt persönlich aber auch solche Werte in seinem „Risky Biz“-Portfolio auf. Diese nehmen jedoch nur eine untergeordnete, spekulative Rolle ein.

In meinen Analysen und Investmentvorstellungen werde ich auch immer mal wieder auf die Methoden von Phil Town eingehen. Eventuell hänge ich auch eine meiner Excel-Tabellen an, damit du meine Berechnungen nachvollziehen kannst. Oder als Vorlage für eigene Analysen verwenden kannst.

Es freut mich, dass du bis zum Ende durchgehalten hast und hoffe, dass ich dir einen weiteren kleinen Mehrwert liefern konnte.

Anmerkung: Die mit einem „*“ markierten Produkte enthalten Affiliate-Links. Bei Verwendung oder Erwerb dieser Produkte bzw. der Dienstleistungen entstehen dir keine zusätzlichen Kosten oder Qualitätseinbußen. Ich erhalte dadurch lediglich eine kleine Provision, durch die ihr mein Projekt finanziell unterstützen könnt. Vielen Dank. 🙂

3 Gedanken zu “Wie man wunderbare Unternehmen findet (Teil 2): Rule# 1

  1. Ich habe mir das Buch von Phil Town gekauft und kann es nur weiterempfehlen. Da ich auch Benjamin Graham in meinem Regal stehen habe, unzählige Bücher auch über technische Analysen etc., sind viele Dinge rund um die Aktie, die dem Laien sehr spanisch vorkommen, mir durchaus geläufig. Und dennoch ist das einfach geschriebene Buch von Phil in meinen Augen eines der besten Wegweiser für erfolgreiches Aktientrading, welches ich kenne. Er schreibt weder langatmig noch langweilig, sondern bringt viele Themen sehr schnell auf den Punkt, ohne wirklich wichtige Fakten auszulassen.

    Wer mit Aktien handeln möchte, sollte sich „Regel Nr. 1“ zulegen. Danach kann man, wenn man denn möchte, immer noch tiefer in die Materie einsteigen. Für erfolgreiches Trading reicht das Buch von Phil Town aber grundsätzlich aus.

  2. Hallo, danke für den tollen und ausführlichen Bericht über das Buch. Besteht die Möglichkeit
    den Excelrechner mit dem du die Zahlen ausgerechnet hast zu bekommen?
    Dir einen schönen Tag
    Schönen Gruß
    Tobias

    1. Hallo Tobias,

      Ich habe meine Blanko-Vorlage am Ende des Artikels angehängt und du kannst sie herunterladen. Eventuell hilft es dir auch, bereits ausgefüllte Analysen anzuschauen. Etwa diese hier von Amazon oder von Adidas. Jeweils zu finden am Ende des Artikels. Hier habe ich auch oft mit Formeln und Grafiken gearbeitet.
      Die prozentualen Zahlen habe ich mit einem CAGR-Rechner ausgerechnet. Hier einfach den Anfangs- und Endwert sowie die Zeitspanne eintragen. Der Rechner übersetzt die Zahlen dann in jährliches und gesamtes prozentuales Wachstum.
      Ich empfehle dir zudem, die Regel-1-Vorlage in Kombination mit einer Checkliste zur Aktienanalyse zu verwenden.
      Liebe Grüße
      Sebastian

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