Zentrale Themen der 2020er – Studie Bank of America

In einer aktuellen Studie hat die Bank of America (BofA) zehn zentrale Themen der nächsten Dekade identifiziert. Zudem hat die Bank herausgearbeitet, wer von den Veränderungen profitieren wird – und wer nicht.

Ein Jahrzehnt wie keines davor

Die Zinsen befinden sich auf 5000-Jahres-Tief, es gibt die größte Vermögenswerte-Blase in der Geschichte, der Planet heizt sich auf und eine alternde Bevölkerung belastet zunehmend die Sozialsysteme.

Gleichzeitig werden rund 800 Millionen Menschen ihren Job durch Automatisierung und Robotik verlieren.

Die BofA fasst zusammen: Die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Reaktionen auf diese Herausforderungen werden in diesem Jahrzehnt ihren Höhepunkt erreichen und die traditionellen Paradigmen revidieren.

Bank of America: 10 Themen für die nächsten 10 Jahre

Zehn Themen stehen für die BofA dabei in den nächsten zehn Jahren weit oben auf der Agenda. Die Bank of America hat zudem die potentiellen Gewinner und Verlierer des jeweiligen Themas benannt.

1.) Peak Globalization:

Das Ende der uneingeschränkten Bewegung von Arbeitskräften, Waren und Kapital. Von Globalisierung hin zu mehr Protektionismus.

Gewinner: Lokale Märkte, Sachwerte; Verlierer: Globale Märkte.

Peak Globalization

2.) Rezession:

Der Großteil der Fonds-Manager glaubt, dass sich der Wirtschaftszyklus in einer späten Phase befindet. Die Blase am Anleihemarkt könnte platzen und Populismus bahnt sich vermehrt an.

Gewinner: Inflation, Sachwerte; Verlierer: Wachstum, Kredite, Deflation.

3.) Quantitative Failure:

Die Maßnahmen der Notenbanken werden die Wirtschaft immer weniger stimulieren können.

Gewinner: Keynesianismus, Gold; Verlierer: Vermögenswerte, Monetarismus.

4.) Demographie:

Die Anzahl der Älteren wird größer sein als die Anzahl der Kinder/Jüngeren. Zudem erreichen jede Sekunde 5 Personen in den Schwellenländern die Mittelschicht. Generation Z (geboren 1997 – 2012) überholt die Millennials (geboren 1981 bis 1996).

Gewinner: eCommerce, neue Verbraucher; Verlierer: bricks & mortar (stationärer Handel), alte Konsumenten.

5.) Klimawandel:

Investoren konzentrieren sich vermehrt auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wirtschaft, Gesellschaft und Migration.

Gewinner: saubere Energien, elektrische Fahrzeuge/Antriebe; Verlierer: fossile Energien, Diesel-Fahrzeuge, Einweg-Plastik.

6.) Robotik & Automatisierung:

Mehr als 50 Prozent aller Jobs könnten bis 2035 verloren gehen.

Gewinner: Automatisierung, lokale Produzenten, „Big Data“ und künstliche Intelligenz; Verlierer: Menschen (Arbeitnehmer), globale Lieferketten.

7.) Splinternet (zersplittertes/aufgeteiltes Internet):

China überholt die USA und wird ab 2030 Weltmarktführer bei künstlicher Intelligenz. Das „kontrollierte“ Internet expandiert (US-Internet (frei) vs. China-Internet (kontrolliert)).

Gewinner: Schwellenländer/der Osten; Verlierer: Industrieländer/der Westen.

8.) Moralischer Kapitalismus:

ESG-Strategien (Umwelt, Soziales, Aufsichtsstrukturen) gewinnen an Bedeutung.

Gewinner: ESG, Wirkungsorientiertes (Impact) Investieren, Stakeholders; Verlierer: „wie gewohntes“ Investieren, ausschließlich gewinnmaximierende Firmen.

9.) Smart Everything:

500 Milliarden internetfähige Geräte bis 2030 gleichen die Nachteile der Demographie aus. Risiko des Verlustes der Privatsphäre.

Gewinner: IoT, Konnektivität, Smart Citys, „Big Brother“-Tech; Verlierer: Privatsphäre, Offline.

10.) Weltraum:

Weltraum-Tourismus und Nanosatelliten stellen die nächste große Industrie. Wert bis 2030: 1 Billion USD.

Gewinner: Raum- und Luftfahrt & Verteidigung; Verlierer: traditionelle Satelliten.

Wie sich die Sicht- und Denkweisen verschieben, hat die BofA noch mit einer Grafik etwas greifbarer gemacht.

Bank of America: Paradigmen 2010er und 2020er
Bank of America: Paradigmen 2010er und 2020er

Was uns in den 2020ern noch erwartet

In ihrer Studie präsentiert die Bank of America noch einige spannende Fakten und Vermutungen.

2020 wird das Jahr sein, in dem die Personen über 65 die Kinder unter 5 Jahren übertreffen wird. Zudem werden die Menschen 40-mal mehr Bytes an Daten erstellen, als es Sterne im beobachtbaren Universum gibt.

Peak Youth

2021 wird die Anzahl an virtuellen/sprachgesteuerten Assistenten größer sein als die Weltbevölkerung. Cybercrime wird Kosten für etwa 6 Billionen Dollar verursachen – mehr als der Klimawandel. Zudem könnten die Bilanzen der Zentralbanken auf 18 Billion USD anschwellen – das entspräche 1/5 des globalen BIP.

2022 werden in 12 Branchen nur noch 58 Prozent der Aufgaben von Menschen übernommen. Die restlichen 42 Prozent übernehmen Maschinen.

2024 wird eSports als offizieller Sport bei den olympischen Spielen anerkannt.

2025 wird für die Informations- und Kommunikationstechnik rund 1/5 der weltweiten Stromerzeugung benötigt. Zudem werden Menschen alle 18 Sekunden mit einem internetfähigen Gerät interagieren – gegenüber alle 6,5 Minuten heute. Das entspricht 4.800 Interaktionen pro Tag. 1 von 3 Menschen auf der Erde wird übergewichtig oder fettleibig sein.

2027 könnte die Ölförderung ihren Höhepunkt erreichen.

2029 könnte der Mobilfunkstandard 5G nicht mehr ausreichen. 6G wird benötigt. Künstliche Intelligenz könnte erstmals so schlau werden wie ein Mensch.

2030 könnte sich die Erde um 1,5°C erwärmt haben. Das Kohlenstoff-Budget ist aufgebraucht. Die Klimaveränderungen könnten mehr als 100 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern unter die Armutsgrenze bringen. Gleichzeitig leben 80 Prozent der Mittelschicht außerhalb der EU und USA. Die Anzahl der Fahrzeuge mit konventionellen Antrieben erreicht ein Plateau.

Die Zahlen von morgen – Mehr IoT, mehr Mittelschicht

Laut der Bank of America steigt die Weltbevölkerung bis 2030 auf 8,5 Milliarden an. Neben der erheblichen Belastung für die Erde werden auch auf die Renten- und Gesundheitssysteme große Herausforderungen zukommen. Hier müssen auch deshalb neue Lösungen gefunden werden, da bis 2035 rund 50 Prozent aller Jobs durch Maschinen ersetzt werden. Es wird vermehrt zu Migration und sozialen Spannungen kommen.

Die Veränderungen der Gesellschaft und Umwelt werden auch zu neuen ökonomischen Theorien führen müssen. Die BofA nennt hier etwa die Modern Money Theory. Zudem wird sich der geopolitische Wettlauf um die technologische Vorherrschaft beschleunigen.

In einer Grafik hat die BofA die wichtigsten Zuwächse gebündelt.

BofA: Entwicklung bis 2030 und darüber hinaus
BofA: Entwicklung bis 2030 und darüber hinaus

Fazit

Die Studie der BofA liest sich zuerst etwas besorgniserregend, da mit Begriffen wie „Rezession“, „Arbeitslosigkeit“ und „Siedepunkt“ nicht gespart wird. Was man meiner Meinung nach jedoch besonders mitnehmen sollte sind die Chancen, die sich herausarbeiten lassen und die auch mit Fakten unterlegt wurden.

Ob es zum Beispiel wirklich zu mehr Protektionismus (Peak Globalization) kommt, das ist für mich mehr Spekulation als wirklich ausgemachte Sache. Auch, dass China die vorherrschende Tech-Macht wird und die USA/den Westen hinter sich lässt würde ich so nicht unterschreiben.

Interessanter ist ein Blick auf die Gewinner: eCommerce, Value- und ESG-Unternehmen, künstliche Intelligenz, Internet of Things (IoT), Gesundheit/Medizin, saubere Energien.

Und noch ein Thema wird in der Studie eher nebenbei erwähnt, unterstreicht aber meine Überlegungen für die Zukunft. „Peak Stuff“ nennt es die BofA. Dahinter verbirgt sich das Ende zügellosen Konsums in den Industrieländern und die Verlagerung von Eigentum/Besitz hin zu Sharing/Kreislaufwirtschaft. Die Anfänge davon sehen wir derzeit etwa bei Uber, Lyft und Sixt. Ein eigenes Auto wird, wenn die Projekte voll entwickelt sind, eigentlich nicht mehr nötig sein.

Insgesamt deckt sich die Studie mit meinen Überlegungen darüber, wer von der Entwicklung profitieren wird. Die Zahl der Internet-Nutzer wird stark steigen, die Zahl der vernetzen Geräte und damit der globale Datenverkehr ebenfalls, die Mittelschicht wächst, Automatisierung und Robotik werden den Menschen mehr Freizeit schenken. Denn ich glaube nicht, dass die Arbeitslosigkeit rasant steigen wird, sondern dass die Menschen insgesamt weniger arbeiten müssen ohne auf Gehalt zu verzichten. In der Studie ist daher auch schon ein „universelles Grundeinkommen“ angedeutet. Vermutlich wird dafür die Arbeit der Roboter besteuert werden (müssen).

Was ich hier noch ergänzen würde ist der „War on Cash„. Transaktionen werden vermehrt digital werden, die Bedeutung von Papiergeld und klassischen Banken nimmt ab. Gleichzeitig können dadurch jedoch auch immer mehr Menschen an der Wirtschaft teilnehmen, die bisher „ausgesperrt“ sind. Durch das Internet und ein Smartphone reicht eine App, um Geld senden und empfangen zu können und Waren zu bezahlen. Hier schlummert noch immer viel Potential.

Mein Depot und auch das Wikifolio sind schon länger entsprechend positioniert, um von den langfristigen Entwicklungen profitieren zu können. Es bleibt spannend.

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